Rendaku: Warum Kanji-Lesungen sich ändern (人→hito aber 人々→hitobito)

Du hast gelernt, dass 人 'hito' gelesen wird. Dann begegnest du 人々 und es ist 'hitobito', nicht 'hitohito'. Das 'h' wird zu 'b'. Warum? Willkommen in der Welt des Rendaku (連濁), eines der verwirrendsten (aber auch elegantesten) Phänomene im Japanischen.

Was ist Rendaku?

Rendaku (連濁) bedeutet wörtlich 'sequentielle Stimmhaftigkeit'. Wenn sich zwei Wörter verbinden, kann der Anfangskonsonant des zweiten Wortes stimmhaft werden (Dakuon). In der Praxis:

  • K → G: 国 (kuni) → manche Komposita benutzen den g-Laut
  • S → Z: 空 (sora) → 青空 (aozora, nicht aosora)
  • T → D: 時 (toki) → 時々 (tokidoki, nicht tokitoki)
  • H → B: 花 (hana) → 花火 (hanabi, nicht hanahi)
  • H → P (selten): 発 (hatsu) → 出発 (shuppatsu)

Häufige Rendaku-Beispiele

GrundwortGrundlesungKompositumKompositum-Lesung
人 (Person)hito人々 (Leute)hitobito
空 (Himmel)sora青空 (blauer Himmel)aozora
花 (Blume)hana花火 (Feuerwerk)hanabi
時 (Zeit)toki時々 (manchmal)tokidoki
紙 (Papier)kami折り紙 (Origami)origami
寿司 (Sushi)sushi巻き寿司 (Maki Sushi)makizushi

Wann gilt Rendaku?

Hier ist das Problem: Es gibt keine strikte Regel. Rendaku ist mehr eine Tendenz als ein Gesetz. Aber es gibt einige Muster:

Allgemeine Tendenzen

  • Native japanische Wörter (和語): Rendaku häufig
  • Wörter chinesischen Ursprungs (漢語): Rendaku seltener
  • Fremdwörter (外来語): fast nie Rendaku
  • Koordinative Komposita (A und B): oft Rendaku
  • Beschreibende Komposita: kommt drauf an

Wann NICHT anwenden: Lymans Gesetz

Es gibt eine Regel, die Rendaku BLOCKIERT, genannt 'Lymans Gesetz': Wenn das zweite Wort bereits einen stimmhaften Konsonanten enthält (g, z, d, b), gilt Rendaku nicht.

  • 風 (kaze, Wind) hat bereits 'z' → 神風 = kamikaze (nicht *kamigaze)
  • 傷 (kizu, Wunde) hat bereits 'z' → ändert sich nicht

Diese Regel funktioniert etwa 80% der Zeit. Die restlichen 20%? Ausnahmen, die du auswendig lernen musst.

Andere Faktoren, die Rendaku beeinflussen

  • Alte Komposita: wahrscheinlicher Rendaku (sind über Zeit 'verschmolzen')
  • Neue Komposita: unwahrscheinlicher (werden noch als zwei separate Wörter wahrgenommen)
  • Eigennamen: behalten oft die ursprüngliche Form
  • Onomatopoesie: fast immer Rendaku (ドキドキ, ガタガタ)
  • Wiederholung desselben Wortes: oft Rendaku (人々, 様々, 時々)

Häufige Wörter mit Rendaku zum Merken

  • 青空 (aozora) - blauer Himmel
  • 花火 (hanabi) - Feuerwerk
  • 手紙 (tegami) - Brief
  • 時々 (tokidoki) - manchmal
  • 人々 (hitobito) - Leute
  • 日々 (hibi) - Tage, täglich
  • 様々 (samazama) - verschieden
  • 巻き寿司 (makizushi) - Sushi-Rolle
  • 居酒屋 (izakaya) - Izakaya (Kneipe)
  • 鼻血 (hanaji) - Nasenbluten

Wie man Rendaku lernt

Versuch nicht, Regeln auswendig zu lernen. Lerne Wort für Wort. Mit der Zeit entwickelst du ein Gefühl dafür, was 'richtig klingt'. So geht's:

  • Wenn du ein neues Kompositum lernst, merke ob es Rendaku hat
  • Lies und höre viel: Exposition baut Intuition auf
  • Stress dich nicht zu sehr: Auch Japaner machen manchmal Fehler
  • Im Zweifel, wende Rendaku nicht an: Das ist der weniger schlimme Fehler

Fazit

Rendaku ist eines dieser Phänomene, die am Anfang unmöglich zu verstehen scheinen, aber mit Exposition natürlich werden. Es ist nicht etwas zum 'Studieren', sondern zum 'Absorbieren'. Jedes Mal, wenn du ein neues Wort mit Kanjidon lernst, merke dir die Lesung. Mit Tausenden von Wörtern entsteht das Muster von selbst.

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